IT-Zeitschriften weiter in der Krise
Die Meldung kommt nicht überraschend: Laut IVW haben 19 der 20 auflagenstärksten IT- und Telekommunikationstitel im vergangenen Jahr signifikant an Leserschaft und Anzeigenvolumen verloren. Das berichtet der Branchendienst Meedia und beruft sich auf die offiziellen IVW-Top-20 und Umsatzdaten von Nielsen. Für uns PRler setzt sich damit ein Trend der letzten Jahre fort: Klassische Computer-Titel verlieren an Bedeutung oder werden komplett eingestellt. Das bedeutet natürlich auch ein Umdenken in der Ausrichtung der PR. Immer weniger Journalisten in den Fachmedien sind immer stärker ausgelastet und damit wird es schwieriger, ihr Interesse zu gewinnen. Gleichzeitig muss der Fokus stärker auf andere Medien gelegt werden, um die Zielgruppen zu erreichen. Das verändert die Art, wie Themen aufbereitet werden müssen und erfordert immer bessere Fähigkeiten, technische Themen in allgemeinverständliche Geschichten zu integrieren.Gleichzeitig lässt sich aber natürlich ein zweiter Schluss daraus ziehen: Die Themen der klassischen Computermagazine werden heute online ausreichend abgedeckt. Wieso sollte sich ein Leser ein Fachmagazin mit einem Tutorial zu einem bestimmten Thema kaufen, wenn er die Antwort auf die gleiche Problemstellung innerhalb von zwei Minuten in einem Online-Forum finden kann? Die relevanten News sind online ohnehin schneller verfügbar.
Bislang scheinen Print-Publikationen darauf keine Antwort zu finden. Branchenprimus ComputerBild verliert saftige 10 Prozent Auflage, liegt damit aber eher im unteren Mittelfeld der Verlustskala. Besonders hart hat es das PC Magazin mit über 22 Prozent Auflagenverlust getroffen. Treuer ist da die Leserschaft der c’t: Mit gerade 2 Prozent Verlust ist die Publikation aus dem Heise-Verlag glimpflich davon gekommen.
Immerhin gibt es diese Magazine noch, während wir uns im vergangenen Jahr von der InformationWeek und der Network Computing komplett verabschieden mussten. Das eher eine Nische abdeckende Music&PC macht laut einer Aufstellung von Landau Media das Trio der eingestellten Computermagazine komplett.
Inwieweit allerdings die Top 20 von IVW wirklich zutreffend ist, bleibt etwas fraglich. So schaffte es die iX nicht in die Liste, obwohl Sie laut IVW alleine fast 36.000 Exemplare im Abo vertreibt. In der von Meedia veröffentlichten Tabelle wäre sie zusammen mit den knapp 7.000 Einzelverkäufen damit auf Rang 14.
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Storyblogger » IT-Zeitschriften in der Krise. Wirklich?Storyblogger » IT-Zeitschriften in der Krise. Wirklich?
[...] sind in der Krise. So berichtet jedenfalls das Ranking der IVW. Durch einen Artikel im Blog der Kollegen von Fink & Fuchs bin ich nochmal auf das Thema aufmerksam gemacht worden. Und die Gedanken dort haben mir keine Ruhe [...]
Dankenswerterweise hat mein geschätzter Kollege Björn Eichstaedt in seinem Blog ( http://www.storyblogger.de/?p=1053 ) einige ergänzende Aspekte zum obigen Blog-Beitrag aufgeführt. Zusammengefasst: Der Hypemarkt für IT-Medien findet parallel zur Entwicklung des IT-Markts ( “normalen Branche”) seinen Boden. Zudem meldet er Zweifel an, ob die Papierberge der Vergangenheit überhaupt gelesen wurden und die zunehmende Online-Berichterstattung überhaupt Leser erreicht.
Das sind Aspekte, die ich durchaus teile. Und wenn wir schon auf diesem Weg konstruktiv diskutieren, möchte auch ich noch ein paar knappe Thesen ergänzen, die mir sowohl für das Verständnis der Entwicklung der IT-Branche, als auch der nachgelagerten Medienlandschaft und die dazugehörende PR-Maschine wichtig erscheinen.
- Ende der 80er begann die IT ihren Siegeszug in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Der Erklärungsbedarf bei der Technik und den möglichen Anwendungen nahm sprunghaft zu. Eine Flut von teilweise recht kurzlebigen Medien für IT-Pros, ambitionierte Hobbyisten und gewerbliche Anwender überschwemmte den Markt. Dieser redaktionelle Raum musste gefüllt werden. PR hatte es vergleichsweise leicht meist sehr technisch aufbereitete Themen unterzubringen, beschränkte sich weitestgehend auf B-to-B-Ansätze und die Ansprache einer wachsenden “Special-Interest-Gruppe”. (siehe hierzu auch: http://medienzeitmaschine.wordpress.com/2010/11/22/%E2%80%9E2000-mark-fur-telefon-waren-fast-normal%E2%80%9C/ )
- In den 90ern trieben das WorldWideWeb und der Börsenhype um IT-Unternehmen diese Entwicklung weiter voran. Themen der IT und des Internet wurden zudem langsam auch Bestandteil der Berichterstattung von Wirtschafts- und Publikumsmedien. Mobilität, Web-Anwendungen, Konvergenz von IT, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik waren einige der treibenden Faktoren und Themen für jedermann/-frau. PR für IT-Untenehmen wurde anspruchsvoller, Corporate PR, Investor Relations, Anwendungsorientierung und Consumer-PR erforderten schon deutlich mehr als die Erklärung “Wie funktioniert dieser Stecker”.
- Nachdem Anfang des neuen Jahrtausends die New Economy Blase geplatzt war, rauscht derzeit die Social Media Welle mit all ihren technischen Aspekten, mehr noch Anwendungsmöglichkeiten und wunderbarerweise auch gesellschaftlichen Auswirkungen durch die Medien, offline und online. Anspruchsvolle PR für IT erfuhr in denn letzten Jahren eine weitere Bereicherung mit Fragen rund um die Auswirkungen von IT für das Individuum, Organisationen oder die Gesellschaft.
- Der Wegfall des New Economy Anzeigengeldes, strukturelle Veränderungen im IT-Markt (Konzentration, Konvergenz der Technologien, Outsourcing, Cloud, ……), der Verlust zentraler Erlösquellen wie Stellenanzeigen und zwei Wirtschaftskrisen haben alle Medien gebeutelt und richtigerweise auch bei den IT-Medien zu einer Konsolidierung geführt.
- Die zentralen Veränderungen haben jedoch bei der Mediennutzung und beim Medienkonsumenten stattgefunden. Die sich beschleunigende Nutzung von Online-Angeboten unterschiedlichster Qualität führt gekoppelt mit einer Umsonstkultur zwangsläufig zum Rückgang verkaufter Auflagen.
- Wir haben zwar die historisch höchste Zahl an Beschäftigten in der “IT-Branche” und eine nach wie vor wachsende Zahl an Menschen die sich in ihren Branchen mit IT/TK-Themen auseinandersetzen müssen und entsprechende Informationen für Ihren Job brauchen. Dafür werden jedoch nicht IT-Medien oder – ebenso gebeutelte – Branchenfachpublikationen abonniert, sondern im Web gesucht.
- Und der Auflagenrückgang bei den technisch orientierten Special-Interest-Titeln erklärt sich auch aus einer signifikanten Abnahme des “Funktionsinteresses” zugunsten eines wachsenden “Anwendungsinteresses” in der Bevölkerung. Wie Allensbach herausgefunden hat, möchten immer weniger Menschen wissen, wie etwas funktioniert; während eine deutlich wachsende Zahl ein steigendes Interesse an der Nutzung und Anwendung von Technik hat, die möglichst intuitiv funktionieren soll. Dafür muss man aber keine Zeitung kaufen, die erklärt wie Geräte funktionieren.
Für PR bedeutet diese Entwicklung nicht nur das interessanter, facettenreicher und anspruchsvoller geworden ist, sondern auch erheblicher aufwendiger. Nicht nur durch die spannende Entwicklung rund um Social Media.
Das soll mal genügen, schließlich wollen wir ja kein über verschiedene Blogs verteiltes Buch schreiben.
Wichtig finde ich die Ergänzung, dass es sich bei den aktuellen IT-Produkten, die die Menschen wollen, ggf. nicht mehr um “erklärungsbedürftige” Produkte handelt. DAS fordert die PR heraus. Denn sie geht eher in Richtung der klassischen Consumer-Kommunikation. Sie richtet sich schließlich an “Konsumenten” der Technologie, nicht mehr an Verstehenwoller der Technologie.
Yeap, das hatte ich ja schon erwähnt. Aber den Diskurs über ComsumerTech sollten wir an anderer Stelle eröffnen.
“Verstehenwoller” gefällt mir.
Ich bezog mich damit ja auch auf das, was Du drüber geschrieben hast. Nur: schien mir das der zentrale Aspekt.
To blog or not to blog! A Question?To blog or not to blog! A Question?
[...] Dies ist aber vorbei. An der Online-Konkurrenz scheitern viele Fachmedien. Der drastische Rückgang der IT-Fachmedien ist ein Paradebesipiel für diese [...]